Der Prüfumfang in drei Schritten
Das DVGW-Arbeitsblatt G 607 legt fest, was ein Sachkundiger an einer Flüssiggasanlage im Freizeitfahrzeug zu prüfen hat. Es ist deutlich mehr als „Lecksuchspray auf die Verschraubungen": Die Prüfung folgt einem festen Ablauf, dessen Ergebnis im Prüfbuch dokumentiert wird. Bei mir dauert der Termin 30 bis 45 Minuten, bei großen Anlagen mit vier oder fünf Geräten etwas länger.
Schritt 1: Sichtprüfung der Anlage
Zuerst schaue ich mir die Anlage vom Gaskasten bis zum letzten Verbraucher an – ohne Gas, dafür mit Taschenlampe:
- Gaskasten: Ist er gasdicht zum Innenraum abgetrennt? Sind die Belüftungsöffnungen nach unten frei – nicht zugestellt, nicht abgeklebt, nicht mit Teppich ausgelegt? Ist die Flasche gegen Verrutschen gesichert?
- Druckregler: Herstelldatum (spätestens nach zehn Jahren zu ersetzen), Zustand, korrekter Ausgangsdruck von 30 mbar, bei Betrieb während der Fahrt Crash-Sensor und Schlauchbruchsicherung.
- Schlauchleitung: Herstelldatum (ebenfalls zehn Jahre), Risse, Knicke, Porosität, Verlegung ohne Scheuerstellen, Zulassung für Flüssiggas.
- Rohrleitungen und Verschraubungen: Material, Befestigung, Korrosion, Durchführungen durch Wände und Boden, keine Leitungen im Bereich der Abgasführung.
- Geräte und Abgasführung: Kamin der Heizung frei, Kühlschrank-Lüftungsgitter offen, keine Umbauten oder nicht zugelassenen Geräte.
- Papiere: Prüfbuch oder Bescheinigung, Typenschilder der Geräte, bei Tankflaschen die Prüffrist des Behälters.
Die Sichtprüfung findet den größten Teil aller Mängel. Wer sie mit dem Blick auf die Checkliste unten selbst vorwegnimmt, hat den Termin fast schon bestanden.
Schritt 2: Dichtheitsprüfung
Danach wird die Anlage abgedrückt: Ich schließe das Prüfgerät am Regler bzw. hinter dem Flaschenventil an und beaufschlage die Leitungen mit Luft bei 150 mbar Prüfdruck – also dem Fünffachen des Betriebsdrucks. Nach einer kurzen Wartezeit für den Temperaturausgleich darf der Druck in weiteren fünf Minuten um höchstens 5 mbar fallen. Fällt er stärker, ist die Anlage undicht, und ich suche die Stelle mit Lecksuchspray – meist ist es eine Verschraubung, die sich über die Jahre gesetzt hat.
Wichtig zu wissen: Ein Lecksuchspray allein ist kein Ersatz für die Druckprüfung. Es zeigt nur Lecks an den Stellen, an die man es sprüht. Die Druckprüfung erfasst die gesamte Anlage, auch die Leitungen hinter den Möbeln.
Schritt 3: Funktionsprüfung der Geräte
Zum Schluss kommt Gas in die Anlage, und jedes Gerät wird in Betrieb genommen: Kocher, Heizung, Boiler, Kühlschrank, gegebenenfalls Backofen und Außengrill-Anschluss. Geprüft werden:
- Zündsicherung: Erlischt die Flamme, muss das Thermoelement die Gaszufuhr innerhalb kurzer Zeit schließen. Alte Kocher ohne Zündsicherung sind ein klassischer Mangel.
- Flammenbild: Blaue, ruhige Flamme. Gelbe oder flackernde Flammen deuten auf Verschmutzung, falschen Druck oder Luftmangel hin.
- Abgasführung: Heizung und Kühlschrank müssen ihre Abgase nach außen leiten; Kamin und Lüftungsgitter dürfen nicht verstopft sein.
- Absperreinrichtungen: Jedes Gerät braucht einen erreichbaren, gekennzeichneten Absperrhahn.
Deshalb brauche ich beim Termin eine Flasche mit Inhalt: Ohne Gas kann ich die Geräte nicht prüfen und die Plakette nicht vergeben. So läuft der Termin bei mir ab.
Die 7 häufigsten Gründe fürs Durchfallen
- Schlauchleitung älter als zehn Jahre. Der Klassiker. Das Herstelldatum steht auf dem Schlauch aufgedruckt; die zehn Jahre gelten ab diesem Datum, nicht ab Einbau.
- Druckregler älter als zehn Jahre. Auch hier ist das Datum aufgedruckt, meist als Monat/Jahr oder Quartal/Jahr. Regler werden mit dem Alter undicht oder liefern falschen Druck.
- Undichte Verschraubung. Meist am Regler, am Absperrhahn oder hinter dem Kühlschrank. Nach dem Nachziehen und Abdrücken oft schon erledigt.
- Zugestellte oder verschlossene Belüftung im Gaskasten. Wer Teppich in den Gaskasten legt oder die Bodenöffnung gegen Zugluft abklebt, hat einen Mangel.
- Fehlende Zündsicherung am Kocher, vor allem bei älteren Wohnwagen und Selbstausbauten.
- Nicht zugelassene Umbauten: Campingflasche lose im Innenraum, selbst verlegte Kupferleitung ohne Schneidringverschraubung, Baumarkt-Schlauch ohne Flüssiggas-Zulassung.
- Korrodierte oder lose Rohrleitungen, häufig unter dem Fahrzeug oder in feuchten Staukästen.
Punkt 1 bis 3 behebe ich in der Regel direkt beim Termin – Schlauch und Regler habe ich in den gängigen Ausführungen dabei, den Einbau berechne ich bei Voranmeldung nicht. Punkt 4 und 5 können Sie meist selbst beheben, bevor ich komme. Punkt 6 und 7 brauchen manchmal die Werkstatt.
Checkliste: So bestehen Sie beim ersten Termin
- Datum auf Schlauch und Regler ablesen. Älter als zehn Jahre? Bei der Buchung angeben, dann bringe ich Ersatz mit.
- Gaskasten ausräumen – nur Flasche, Regler, Schlauch. Kein Teppich, keine Ersatzteile, kein Werkzeug.
- Belüftungsöffnungen prüfen: Bodenöffnung im Gaskasten frei, Kühlschrank-Gitter außen offen, Heizungskamin frei.
- Flasche mit Inhalt anschließen und einmal alle Geräte anmachen: Zünden sie, brennen sie blau, gehen sie wieder aus?
- Prüfbuch oder Bescheinigung bereitlegen. Nicht vorhanden? Dann lege ich ein neues an – bitte bei der Buchung angeben.
- Fahrzeug so parken, dass Gaskasten und Geräte zugänglich sind – Markise und Vorzelt sind kein Problem, ein Fahrradträger vor dem Gaskasten schon.
Was passiert bei einem Mangel?
Ein Mangel ist kein Drama: Ich trage ihn ins Prüfbuch ein und Sie bekommen einen Mängelbericht. Kann ich ihn sofort beheben – neuer Schlauch, neuer Regler, nachgezogene Verschraubung –, prüfe ich anschließend erneut und vergebe die Plakette im selben Termin. Braucht die Reparatur eine Werkstatt, folgt danach eine Wiederholungsprüfung (bei mir 49 €). Bis dahin sollte die Anlage nicht betrieben werden – bei einer Undichtigkeit auch nicht „nur kurz zum Kochen".
Was die Prüfung insgesamt kostet und welche Bauteile ins Geld gehen, lesen Sie im Beitrag Was kostet die Gasprüfung?; die Fristen und Bußgelder stehen unter Gasprüfung Pflicht.